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Samstag, 15. September 2012

Autismus und Autofahren

Können oder sollen Autisten überhaupt Autofahren?
Diese Frage ist mal wieder nicht allgemein zu beantworten, da die Ausprägungen des Autismus bei jedem anders sind.
Ich kenne viele Autisten, die nicht Autofahren können oder wollen. Vielleicht ist es auch einfach die Angst davor. Ich weiss es nicht. Jedoch ist es so, dass mir viele geschildert haben, dass sie überfordert wären, mit all den Eindrücken. Nun, das ist sicher richtig. Jedoch ist es so, dass jeder Anfänger am Anfang überfordert ist. Es ist so viele Dinge die man gleichzeitig tun muss. Dazu kommt, dass man auch noch auf die Umgebung und das Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer achten muss. Alles in allem doch sehr viel für den Anfang.
Jedoch beginnt man ja nicht gleich auf der Autobahn, sonder auf einem grossen Parkplatz oder einen Nebenstrasse. So kann man sich einfach mal mit dem Fahrzeug vertraut machen. Dies ist auch gut so.
Mit der Zeit hat man die Abläufe intus. Das alles Braucht ein wenig Übung. Doch wer diese erste Hürde geschafft hat, der wird auch die Weiteren schaffen. So schwierig ist es nicht.
Dazu kommt ja, dass man einen Fahrlehrer hat. Also jemand welcher einem das alles mit System beibringt.
Ich selber fahre schon seit über 18 Jahren Auto, und ich bereue diesen Schritt bis heute nicht. Denn im Auto ist es anders als in den ÖV's. Ich habe meine Ruhe, kann Musik hören, und mich meinen Gedanken hingeben. Klar, muss ich mich auch manchmal echt konzentrieren. Dies jedoch nur, wenn es mal wieder eine Stausituation auf der Autobahn gibt. Aber sonst, geht alles automatisch. Mich belastet das Autofahren nicht, im Gegenteil, es macht mir Spass. Auch kann ich mich im Auto erholen. Wenn ich von der Arbeit nach Hause fahre, kann ich mich langsam entspannen.
Zudem ist das Auto für mich auch das Symbol für meine Unabhängigkeit. Ich kann es gebrauchen wann ich will. Und ich kann damit hinfahren wohin ich will. Somit bin ich nicht auf jemanden angewiesen, und kann mein Leben so leben wie ich es will.
Mir ist aber auch klar, dass das nicht jeder Autist kann. Muss er auch nicht. Doch ich denke, dass der Mut da sein sollte, es wenigstens zu probieren. Denn wenn man sich nur vorstellt, dass man es nicht kann, so kann man es auch nicht. Jedoch, wird es mal ausprobiert, so erkennt man, dass es vielleicht doch geht.
Dies ist nicht nur mit dem Autofahren so, sondern mit Allem. Ich weiss, dass die Gedanken manchmal sehr hinderlich sein können, etwas Neus auszuprobieren. Mir selber geht es auch so. Doch ich sage mir immer wieder, wenn ich es nicht wirklich ausprobiere, weiss ich nicht, ob ich es kann, oder es mir gefällt. Wie auch immer. Es ist mehr ein mentales Problem, und hat weniger mit dem Autismus als solches zu tun. Das Vertrauen in sich selber ist das Wichtigste.
Auch ist es so, dass mich Autofahren nie wirklich interessiert hatte, es war vielmehr eine Sache, welche ich einfach gemacht hatte. Mehr nicht. Heute bin ich froh darum.
Denn manchmal muss man auch Dinge tun, die einem nicht interessieren, welche einem jedoch das Leben erleichtern können. Dies sollte eigentlich Grund genug sein, es zu probieren.
Das Umfeld sollte einem dies auch zutrauen, oder zumindest ermutigen, so wie es meine Eltern damals gemacht hatte. Ich selber hätte es nie von mir aus gemacht. Doch heute bin ich ihnen dankbar, dass sie mich dazu bewegen konnten.
Ihre Erklärung war ganz einfach. Sie sagten: "Du wirst eines Tages froh sein darum. Und gemacht ist gemacht." Das "eines Tages" kam dann doch recht schnell. Und ich bin bis heute froh darum. Denn dank dem Auto kann ich heute da arbeiten wo ich will.