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Dienstag, 11. Juni 2013

Asperger und die Depression

Das Leben ist anstrengend. Ständig wird verlangt, dass man das oder jedes macht. Dass man mehr leistet, als man leisten kann. Dass man jemand anderes ist, als man ist. Ständig ändern sich die Abläufe oder man muss Gewohnheiten anpassen.
Irgendwann kommt man nicht mehr mit. Irgendwann ist alles zuviel. Irgendwann geht nichts mehr. Dieser Prozess ist schleichend. Dieser Prozess dauert manchmal Jahre. Ohne das man merkt, dass man nicht mehr kann. Ohne das man sich bewusst wird, dass man am Ende seiner Kräfte ist.
Dies habe ich selber erlebt. Mir wurde vieles zu viel. Arbeit- und Privatleben wurden immer fordernder.  Immer anstrengender. Immer musste ich noch mehr leisten. Irgendwann ging nichts mehr. Dis geschah jedoch von einem Tag auf den anderen. Ich konnte nicht mehr arbeiten gehen. Ich konnte nichts mehr tun. Ende. Ein Psychologe stellte dann eine schwere Depression fest. Diese war so schlimm, dass auch er nichts mehr tun konnte, also landete ich in einer Klinik. Dies für drei Monate. Nun, diese Zeit hatte mir geholfen, wieder klar zu denken, und zu erkennen, was ich will und was nicht. Ich musste mein ganzes Leben neu gestalten. Dies war nicht so einfach, aber ich hatte Zeit.
Asperger kann es leichter passieren, dass sie depressiv werden. Wir sind viel anfälliger gegenüber von Änderungen, Anforderungen und Anpassungen. Wir kriegen das meistens nicht so schnell auf die Reihe. Auch belasten immer die selben Gedanken den Kopf. Immer wieder sucht man Lösungen für einfache Probleme. Dabei wäre es einfach. Einfach jemanden aus dem Umfeld fragen. Aber darauf zu kommen, ist nicht so einfach. Mir jedenfalls ging es so. Wieso sollte ich jemanden fragen? Wieso Hilfe annehmen? Ich kann gut für mich selber schauen. Nun, dies war leider ein Trugschluss. Heute weiss ich, dass ich fragen kann. Wenn mich etwas stresst, dann sage ich es. Es ist einfacher, es gleich zu sagen, und dann hat sichs. Ich denke, es war aber gleichwohl gut, dass mir das passiert ist. Denn ich habe viel gelernt. nicht nur über mich, sondern auch, wie ich mit Menschen umzugehen habe. Klar, ich mache immer noch viele Fehler und bin manchmal komisch. Aber ich habe doch so einiges erreicht.
Eine Depression ist auf den ersten Blick etwas Schlimmes. Etwas das einem alles verunmöglicht. Doch sie ist auch die Möglichkeit, wieder neu anzufangen. Das Leben zu überdenken. Wieder zu sich zu finden. Nicht immer nur das machen was andere wollen. Oder man denkt, dass man was tun muss, was andere wollen. Nein, das zu tun, was man selber will. Das war für mich die grosse Erkenntnis. Das was ich bin und mache ist so, wie ich es will und nicht wie es andere wollen. Für mich waren die Monate in der Klinik besser alls jede Schule. So was kriegt man nirgends. Auch heute profitiere ich noch davon.
Was aber nicht heissen soll, dass es toll ist, in eine Klinik zu gehen. Besser ist es, wenn man ohne auskommt. Aber wenn es passieren sollte, so ist dies nicht so schlimm, wie es auf den ersten Blick scheint.
Ich war in einer Klink, welche von Asperger keine Ahnung hatte. War auch gut so. So lernte ich den Umgang mit den Menschen wieder neu. So wurde nicht auf mich Rücksicht genommen. Ich musste all das, was die NT's machten auch machen. Wieso auch nicht? Immer nur Rücksicht zu nehmen, weil man Asperger ist, bringts auch nicht. Ich bin der Meinung, das wer fordert, auch geben muss. Leider ist es heute doch so, das viele immer nur verlangen, aber nicht geben. Ich versuche das was ich gelernt habe, an meine Mitarbeiter weiter zu geben. Das was ich erlebt habe ihnen beizubringen. Es ist meine Art der Gesellschaft wieder etwas zurückzugeben.
Depressionen sind also eine Chance. Sie sind die Möglichkeit neu anzufangen. Was es braucht, ist neben Zeit und Ruhe, auch viel Verständnis vom Umfeld. Denn alleine kann sie nicht überwunden werden. Der Lohn danach ist aber, dass man eine neuer Mensch ist. Das man weiss, was man will und was nicht. Das man auch für sich einstehen kann und das Wichtigste, auch mal NEIN sagen kann.